Kodokan-Goshin Jitsu
(waffenlose Selbstverteidigung)
Kodokan-Goshin Jitsu ist die neu entwickelte Verteidigungsform des Judoinstituts in Japan und ist als Abwehrtechnik gegen Gewalttätigkeiten und überraschende Angriffe gedacht. Die Übungsform, Kata genannt, setzt sich aus 21 Techniken zusammen die teilweise dem Judo verwandte (ähnliche) Griffe aufweisen. Ebenso haben das vor ca. 100 Jahren von dem Judo-Begründer Prof. Jigoro Kano entwickelte "Jiu Jitsu" "die Form der Selbstverteidigung" (Kime-no-kata), sowie die altüberlieferten Techniken des "Aikido" und "Karate" einen nicht unerheblichen Beitrag dazu geleistet. Aus diesen zahlreichen, verschiedenen Selbstverteidigungstechniken begann eine Kodokan-Expertengruppe schon 1952 die zweckmäßigsten Techniken auszuarbeiten und in eine geordnete Reihenfolge zu bringen.
Nach über dreijähriger Arbeit entstand "Goshin Jitsu". Die Selbstverteidigung des Kodokan, eingeteilt in fünf Untergruppen (Go = 5, Shin = neu, Jitsu = Tat, prakt. Anwendung, Kunst).
Zahlreiche Experimente haben bewiesen, dass es praktisch unmöglich ist, sich gegen einen Angriff zu verteidigen, wenn gewisse technische Prinzipien und Reflexe nicht entwickelt wurden. Selbst mit nur einem perfekten Wissen der verschiedenen Verteidigungsbewegungen ist es nicht immer möglich, sich erfolgreich zu behaupten. Das kommt daher, weil der Angreifer weiß, welche Angriffe er gebrauchen will, der Verteidiger sich aber erst dann danach richten kann. Sehr oft wählt er daher die falsche Abwehr.
Aus diesem Grunde hat der Kodokan aus den elementaren Prinzipien des Judo dieses neue System entwickelt, denn die alten Techniken der Selbstverteidigung können niemals in der Form eines flüssigen Randori, wie dies im Judo der Fall ist, geübt werden. Die neue Verteidigung des Goshin Jitsu strebt diese Trainingsmethode jedenfalls an. Ein guter Judoka muß also auch werfen können, ohne den Kragen, das Revers oder den Ärmel des Gegners zu fassen. Hier ist ebenfalls ein gutes Verstehen der Grundlagen der "Rikaku-Position" (natürliche Stellung mit einer Distanz) unbedingt erforderlich, wozu Goshin Jitsu erzieht.
Die Methode des Goshin Jitsu beruht auf einem gänzlich anderen Prinzip, auf einer verblüffenden neuen Idee, welche aber mit dem Judo sehr eng verbunden ist. Man könnte so weit gehen und behaupten, daß diese neue Selbstverteidigung sogar Kodokan-Judo ist. Sie besitzt u.a. grundlegende Techniken aus der 4. Kata (Kime-no-Kata), vermeidet aber strikt die in dieser Kata sehr häufig vorkommenden Wiederholungen und ist daher rein zweckmäßig gesehen bedeutend wirksamer als das alte Ju Jitsu.
Wenn man in Japan von "Budo" oder "Bu-Jitsu" spricht, denkt man unwillkürlich daran, einen Feind auf einem Schlachtfeld zu töten. Man ist daher in der letzten Zeit in Japan bestrebt, diesem "Budo" eine modernere Bedeutung beizumessen. Das ist mit der neuen Judo-Selbstverteidigung des Kodokan bereits geschehen, die in jüngster Zeit, auf einem "demokratischen Ideal" basierend, ihren Siegeszug durch die westliche Welt anzutreten scheint.
Die Grundidee dieser neuen Methode ist es jetzt, dem Feind zwar zuvorzukommen und sich zu verteidigen, ihn aber keinesfalls zu töten.
Er soll mit dem am wenigsten körperlich schädigenden Mittel kampfunfähig gemacht werden. Unter diesem Aspekt kommt die neue Judo-Selbstverteidigung dem erzieherischen Sinne des Judo und den damals von Prof. J. Kano aufgestellten Grundsätzen vor allem des moralischen Prinzips, wesentlich näher.